Liberale Ideenwerkstatt – FDP Oberallgäu diskutiert online über die Digitalisierung der Schulen

Die Digitalisierung des Bildungswesens war schon vor der Corona-Pandemie ein oft diskutiertes Thema. Durch die Krise wurden jedoch die Defizite, aber auch die Chancen der Digitalisierung unserer Schulen zu Tage gefördert. Im Rahmen einer digitalen Ideenwerkstatt diskutierten nun Expertinnen und Experten mit Interessierten unter der Moderation des FDP-Kreisvorsitzenden Michael Käser darüber, wie die Politik bei der Modernisierung des Bildungswesens unterstützen kann.

Zu Anfang der Diskussion wurde Bilanz über den Umgang der Schulen mit der Pandemie gezogen. Diese fiel aus Elternsicht überwiegend negativ aus. So berichtete Oliver Schwarz, Mitglied im Elternbeirat des Gymnasiums Oberstdorf und Ortsvorsitzender der FDP Oberstdorf von vielschichtigen Problemen beim sogenannten „Home-Schooling“: „Beim Gymnasium Oberstdorf hat den Umständen entsprechend das Home-Schooling recht gut funktioniert. Die Umsetzung Zuhause war aber sehr vom Elternhaus abhängig. Viele Eltern waren damit überfordert, ihre Kinder beim digitalen Lernen zu unterstützen, während diese selbst im Homeoffice arbeiten mussten. Bei anderen standen nicht genügend mobile Endgeräte zur Verfügung, da viele nur einen einzigen Computer im Haushalt haben. Einige Schülerinnen und Schüler mussten deswegen auf Ihr Smartphone ausweichen. Bei manchen hat der Heimunterricht gar nicht funktioniert, da die Internetverbindung zu schlecht war. Es wurden durch das Home-Schooling die weniger leistungsstarken Schüler noch mehr abgehängt. Diese Schüler im kommenden Schuljahr wieder auf das gewünschte Leistungsniveau zu bringen, wird eine große Herausforderung”, so Schwarz.

Ein differenzierteres Bild skizzierte Doris Sippel, Leiterin des Medienzentrums Oberallgäu, die als Lehrerin und medienpädagogische Beraterin Fortbildungen hält und Schulen im Bereich der Digitalisierung berät.
„Wir finden in Oberallgäuer Schulen unterschiedliche Voraussetzungen vor, was das digitale Arbeiten angeht. Dies hängt von den infrastrukturellen Voraussetzungen (z. B. Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten) an der Schule, aber auch von den digitalen Kompetenzen im Kollegium vor Ort ab. Es war eine große Herausforderung, diese neuen Wege zu gehen und dabei nach individuellen Lösungen zu suchen, gerade in der Anfangszeit, in der bestehende Systeme überlastet waren. Viele Lehrkräfte sind sehr engagiert und kreativ mit der Situation umgegangen, konnten auf digitalem Weg ihre Schüler gut erreichen. Jüngere Schülerinnen und Schüler wurden auch mit Materialien in Papierform versorgt. Rückblickend kann man sagen, dass die Corona-Krise eine Digitalisierungswelle in den Schulen ausgelöst hat, was sich auch darin zeigt, dass in den letzten Monaten eine Vielzahl an Lehrerinnen und Lehrer die Onlinefortbildungen der Berater digitaler Bildung besucht haben. Nun stellt sich die Herausforderung, diesen Schwung zu nutzen und die positiven Möglichkeiten, die ein digitales Arbeiten an den Schulen ermöglicht, in die Köpfe zu bringen“, so Sippel. Auch die Finanzierung der Digitalisierung wurde ausgiebig diskutiert. Zwar stünden mit dem Digitalpakt II und anderen Förderprogrammen genügend Mittel zur Verfügung, jedoch ist es für die Sachaufwandsträger, die Kommunen, eine Herausforderung, die Gelder zeitnah abzurufen. Europäisches Ausschreiberecht und unnötige Bürokratie würden den Zugang zu den Förderungen erschweren. Auch ist die Wartung der Endgeräte eine große Last für die Gemeinden und Städte.

Einen möglichen Lösungsansatz für diese Probleme stellt Kreisrat Michael Käser mit der Idee eines Zweckverbands „Schule Digital“ im Oberallgäu vor. „Es wäre von großem Vorteil, wenn sich die Gemeinden und Städte im Oberallgäu an einen Tisch setzen würden und gemeinsam überlegen, in welchen Bereichen sie sinnvoll zusammenarbeiten könnten, um die Digitalisierung unserer Schulen zu befördern. In Form eines Zweckverbands könnten so Endgeräte günstiger bestellt und eine Stelle geschaffen werden, die den technischen Support der Schulen übernehmen könnte“, so Käser, der bereits gemeinsam mit der Ausschussgemeinschaft ÖDP/FDP/BBOA einen entsprechenden Antrag in den Kreistag eingebracht hat. Dieser soll zunächst mit den Bürgermeistern im Oberallgäu im Rahmen eines Jour-Fixe besprochen werden. „Es ist wichtig, dass der Wille der Zusammenarbeit von den Kommunen und den Schulen ausgeht. Alles andere wäre nicht nachhaltig. Ich hoffe aber, dass unser Antrag einen politischen Impuls bei den Verantwortlichen gesetzt hat“, so der 28jährige.


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