Oberallgäu als Modellregion für autonomen ÖPNV auf dem Land

Das aktuelle Verkehrskonzept des Landkreises Oberallgäu muss zu einem Verkehrskonzept 2030 weiterentwickelt werden, in dem die Zukunft der Mobilität im Oberallgäu (autonomer, bedarfsgerechter, vernetzter, elektrischer ÖPNV) als Ziel definiert und deren strategische Umsetzung skizziert wird. Dabei muss der Anspruch des Landkreises sein, bayernweit beim Thema autonomer ÖPNV im ländlichen Raum Avantgarde zu werden.

Zur Umsetzung bedarf es der Gründung einer Modellregion für autonomen ÖPNV, die alle Kompetenzen und Ressourcen der Region bündelt, die Konsequenzen eines autonomen ÖPNV auf dem Land erforscht und die phasenweise Realisierung einer modernen öffentlichen Verkehrsinfrastruktur ermöglicht.

Ein möglicher Umsetzungsplan für eine Modellregion könnte folgendermaßen aussehen.

Phase 1 Gründungsphase (2018 – 2020):

  • Gründung eines Netzwerks für die Modellregion Mobilität der Zukunft
  • Definition der (Teil-)Ziele der Modellregion
  • Akquise von Fördermitteln

Phase 2 Forschungsphase (2020 – 2023):

  • Evaluation der Anforderungen an einen autonomen ÖPNV im ländlichen Raum (Infrastruktur, Technologie, Rechtsrahmen, Akzeptanz der Bevölkerung)

Phase 3 Planungsphase (2023 – 2025):

  • Planung von Maßnahmen zur Realisierung des autonomen ÖPNV im Oberallgäu
  • Einholen von Angeboten

Phase 4 Umsetzungsphase (2025 – 2030):

  • Bau von Infrastrukturmaßnahmen
  • Anschaffung von autonomen Fahrzeugen und entsprechenden Buchungsportalen für Benutzerinnen und Benutzer

Phase 5 Evaluationsphase (2030 – 2035):

  • Sichern von Erkenntnissen über autonomen ÖPNV auf dem Land

Begründung

  • Durch eine Einsparung von Personalkosten könnte das Angebot günstiger werden.
  • Durch einen intelligenten und vernetzten ÖPNV könnte viel Individualverkehr eingespart werden. Laut einer Studie würden 70 % der Befragten auf das Auto verzichten, wenn die ÖPNV-Angebote verlässlicher, bequemer und preiswerter wären. (BR, 2018, https://www.br.de/nachrichten/oeffentliche-verkehrsmittel-auf-dem-land-ausbaufaehig-100.html). Dies würde die Parkplatzsituation in den Kommunen entlasten, die Stauzeit minimieren und die Lärmemission reduzieren. Mehr Lebensqualität für alle könnte erreicht werden.
  • Auch die Umwelt kann profitieren. Wenn die autonomen Busse oder anderen Fahrzeuge strom- oder wasserstoffbetrieben unterwegs sind, könnte die Kraftstoffemission durch den ÖPNV im Allgäu der Vergangenheit angehören. Auch könnten regenerative Energien zur „Betankung“ der Fahrzeuge dienen. Die Implementierung des ÖPNV in einen „Smart Grid“ (intelligentes Stromnetz) muss selbstverständlich mitbedacht werden.
  •  Die Begrenzung von Betriebszeiten wäre Vergangenheit, da keine Lenkzeiten oder arbeitsrechtliche Vorschriften eingehalten werden müssen. Ein viel besseres Angebot (Mobilität zu jeder Tages und Nachtzeit, individuell nachfragbar) wäre möglich.
  • Durch eine Modellregion für autonomen ÖPNV könnte das Oberallgäu eine Vorzeigeregion für die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land werden (vgl. Art 3 (2) Verfassung des Freistaats Bayern). Die Vorteile von autonomen (selbstfahrenden) Fahrzeugen liegen auf der Hand:
  • Ziel soll es sein, bis zum Jahr 2030 den Öffentlichen Personennahverkehr auf Busse oder andere selbstfahrende Fahrzeuge umzustellen. Dabei muss sich der Landkreis um staatliche Fördergelder bemühen.
  • Auch die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger zur Nutzung eines autonomen Fahrzeugs steigt, wie eine Bitkom-Erhebung zeigt:


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